Politiker sind wohl auch nur Menschen

Bundestagsabgeordneter Holger Ortel spricht vor den 8. und 10. Klassen

 

Drei Wochen nach den Bundestagswahlen, am 19. Oktober, besuchte uns der SPD Bundestagsabgeordnete Holger Ortel. Ein scheinbar ganz „normaler“ Mann, der Politik ist, wie er sagte. Er war gekommen, um unsere Fragen zu den Bundestagswahlen und der Politik zu beantworten.

 

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Die Schüler betraten zusammen mit ihren Lehrern die Aula. Als auch der letzte einen Platz gefunden hatte, schauten alle auf den Mann im Pullover und Jeans, der vorne auf einem Tisch saß. Einige Schüler fragten sich: „Ist das Holger Ortel? Ich habe mir Politiker immer ganz anders vorstellt.“ Ja, es war Holger Ortel. Und ja sein Auftreten in normaler Kleidung statt im Anzug hatte einen guten Grund: Er wollte uns zeigen, „dass Politiker auch nur normale Menschen sind, die auch nur mit Wasser kochen.“ Ein Satz, den Hape Kerkeling zur Grundlage seiner Wahlkampf-Satire „Isch kandidiere“ gemacht hat.

 

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Wie mit einem Kumpel geschnackt

Nach einer kurzen Vorstellung seinerseits konnten die Schüler dem 58-jährigen ihre Fragen zu Themen der Politik oder des allgemeinen Weltgeschehens stellen. Von einer Frage wusste man bereits vorher, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis Sie gestellt würde: Wieso hat die SPD bei der Bundestagswahl im September 2009 so hoch verloren? Holger Ortel selbst hat sein Direktmandat der Wesermarsch an die CDU-Abgeordnete Astrid Grotelüschen abtreten müssen.War es die Zerstrittenheit innerhalb der Partei, die Dienstwagen-Affäre der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt oder der Kanzler-Kandidat Frank-Walter Steinmeier selbst, die dazu beigetragen hatten, dass die SPD ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegszeit erzielte. Holger Ortel meinte, es liege am schlechten Inhalt des Wahlprogramms und an Oskar Lafontaine von der Links-Partei, der aus ehemaligen SPD-Wählern Wähler der Linken gemacht habe. Auf diese und andere Themen antwortete er ganz gelassen und die Antworten kamen nicht hochgestochen, wie man es vielleicht erwartet hätte, rüber. Es war, als würden wir mit einem alten Bekannten schnacken.

 Mit Fragen gelöchert

 

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Unsere weiteren Fragen bezogen sich auf politische Standpunkte von Holger Ortel. Einige wollten gerne wissen, wie ein SPD-Abgeordneter, der in einem Landkreis wohnt, in dem ein Kernkraftwerk steht, zum Thema Atomenergie denkt. Seiner Meinung nach sollten wie geplant alle Kernkraftwerke bis 2020 abgeschaltet werden und das Kraftwerk Unterweser 2012 vom Netz gehen. Seiner Meinung nach ist das Problem die Beseitigung des radioaktiven Mülls, der in Kernkraftwerken entsteht. Das Lager in Asse und das Endlager in Gorleben würden keinen Schutz bieten und seien daher nicht sicher. Seiner Meinung nach könnten die alternativen Energielieferanten die Kernenergie komplett ersetzen.Ein großes Thema war auch das Internet: Hat der Staat das Recht, Onlinedurchsuchungen durchzuziehen und die Bürger eventuell so überwachen? Zunächst machte er uns klar, dass das Internet kein rechtfreier Raum sei und man dort nicht tun und lassen könne, was man wolle. Gleichzeitig sagte er auch, das Internet sei ein Stück Freiheit und man sollte diese Freiheit als Staat nicht einschränken.Die nächste Frage ging dann um Afghanistan. Jemand wollte wissen, wie Holger Ortel zum Afghanistan-Einsatz stehe. Er selbst sei schon einmal in Afghanistan und auch in Pakistan gewesen. Seiner Meinung nach würden die Ressourcen falsch eingesetzt. Es sollte mehr in den zivilen Aufbau investiert werden und weniger in das Militär. Außerdem sollte auch das Abzugsdatum festgesetzt werden.Auf die Frage, was er zu den Vorwürfen sagt, dass Regierung und Bundeswehr angeblich einen anderen Impfstoff gegen die Schweinegrippe bekämen als das Volk, gestand er, dass er selbst keine Insiderinformationen darüber habe. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug. Holger Ortel machte genau wie wir um 13 Uhr auch Feierabend und verließ die Aula. Er hat bei vielen ein neues Bild zu Politikern entstehen lassen: Es sind auch nur normale Menschen.

 |Text: Timo Köhler, Kl.10b, und Murat Sen, Kl. 10c|

Webbearbeitung: Nico Hofemann  
Kevin Heimbucher