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2009 fand der erste Schulabschlussgottesdienst statt. Wer wird
schon zum Schulabschluss in die Kirche gehen? Viele! Und auch zum
diesjährigen Schulschluss gibt es wieder eine Feier – am 16. Juni.
Sonnenblumen rankten von den Bänken, der Altar war geschmückt mit
den gold-gelben Blüten und drei große Behälter versammelten fast 80
natürliche Sonnenblumen. Eine übergroße Sonne aus Krepppapierblumen
begrüßte die Gottesdienstbesucher in der Martin-Luther-Kirche. Wer
zum ersten Schulabschlussgottesdienst der Realschule I wollte,
musste zunächst aber durch einen dunklen Vorraum gehen, einen
„Tunnel“ durchschreiten, an dessen Ende das Licht in der Kirche
wartete.
Einschulungsgottesdienste kennt fast jede Gemeinde, die eine Schule
hat. Aber ein Gottesdienst zum Schulabschluss? Ja, gerade darum!
Denn Gottesdienste sind Rituale. Sie können helfen, das Leben der
Menschen zu gliedern und deutlich zu machen: Hier ist ein Abschnitt
vorüber. Und wer es bis hierhin geschafft hat, wird viele
Erfahrungen in diesem Lebensabschnitt gemacht haben, die er oder sie
verarbeiten musste oder noch aufarbeiten muss. Da ist es gut, einmal
zur Ruhe zu kommen, gerade nach diesen hektischen letzten Tagen der
Schulzeit mit Prüfungen, der letzten Tagesfahrt mit der Klasse, den
Abschlussscherzen und den turbulenten Vorbereitungen für den
opulenten Schulball.
Und dann ist da noch die Gemeinschaft, die sich auflösen wird: die
Zeit in den Klassen ist vorüber, die Schule wird verlassen. Da tut
es noch einmal gut, zusammenzurücken, und sei es auf den hölzernen
Kirchenbänken. Dreiviertel aller Abschlussschüler waren im
vergangenen Jahr zum Schulabschlussgottesdienst in die Kirche
gekommen, darunter auch Muslime und nicht-gläubige Jugendliche. Die
Teilnahme am Gottesdienst war freiwillig. Die 250 Besucher suchten
im gemeinsamen Gebet Ruhe für die Tage der Verabschiedungsfeiern
oder waren einfach neugierig auf das, was es Neues zu entdecken
gibt.
Eine Band hatte im Vorfeld ein halbes Jahr lang im
Martin-Luther-Haus geübt und gestaltete den Gottesdienst
musikalisch. „Knocking on Heavens Door“ intonierten die Musiker
ebenso wie „Save tonight“ und Amy McDonald’s „This is the life”. Mit
Schlagzeug, E-Bass und Gitarren sorgten Rico Wilhelms, Sebastian
Hahn, Dennis Stelkov, Steffen Flüchter und Sängerin Lisa
Schlesis-Janssen für guten Sound im Gotteshaus. Zum Finale spielten
sie sogar „Enter Sandmann“ von Metalica, was von den Besuchern – je
nach Altersklasse – gemischt aufgenommen wurde.
Denn ein Gottesdienst ist kein Happening, auch wenn Popsongs
gespielt und gute Laune gewünscht ist. In den Gebeten und in einem
Anspiel sowie in der Predigt von Pfarrerin Heike Boelmann ging es um
die ernste Frage: Was ist wichtig für mich im Leben, wohin steuere
ich, und woher kann ich meine Kraft beziehen. Eine Adresse dafür ist
für gläubige Menschen Gott – oder Allah, wie ihn die muslimischen
Brüder und Schwestern nennen. Hoffnungen und Wünsche konnten ihren
Ausdruck finden in Gestalt von Kerzen, die Gottesdienstbesucher vor
den Altar bringen konnten. Steffen Flüchters Solo von „Tears in
Heaven“ sorgte dabei für ein ganz besonderes Feeling.
Einen Segenswunsch bekamen alle Abgangsschüler dann von ihren
Klassenlehrern mit auf den Weg: Die Segensworte waren an
Sonnenblumen gebunden, die die Schüler aus der Hand ihrer Lehrer vor
dem Altar entgegennahmen. Ausblick: Abschlussgottesdienst 2010
Auch im Schuljahr 2009/2010 gibt es wieder einen
Schulabschlussgottesdienst. Auch dieser ist natürlich wieder
ökumenisch, es feiern also evangelische, katholische und orthodoxe
Christen gemeinsam, und auch Muslime und Juden sowie Nichtgläubige
sind zur Feier am 16. Juni um 19 Uhr in die Martin-Luther-Kirche
eingeladen. Einige Abschlussschüler und verschiedene Lehrer
engagieren sich in einer Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des
Gottesdienstes. Sie gestalten wieder die Musik, schreiben Gebete,
bereiten die Aktionen im Gottesdienst vor und denken über die
Ausgestaltung der Kirche nach. Zu den Vorbereitungen gehören auch
Experimente mit Glückskeksen. Was Glückskekse im Gottesdienst zu
suchen haben? – Die Auflösung gibt es im Gottesdienst selbst.
Übrigens: Der Gottesdienst ist am Mittwochabend um 19 Uhr. Der
Abendtermin soll ermöglichen, dass auch Freunde, Partner,
Familienangehörige der Abgangsschüler mit in die Kirche kommen
können, die am Donnerstagmorgen bei der Zeugnisübergabe in der
Schule aufgrund von Arbeit oder Schulbesuch nicht mitfeiern können.
Natürlich ist der Gottesdienst aber auch offen für alle anderen
interessierten Schüler der verschiedenen Jahrgänge und für andere
Gäste aus Nordenham und umzu. | Text: Torsten Lange |
Webbearbeitung: Sascha Rackebrand, Kevin Heimbucher, Nico Hofemann,
Piet Beerepoot
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