„England wir kommen!“

Die 10b besucht auf der Abschlussfahrt Canterbury

Abends halb zehn in Deutschland: Die Klasse von Herrn Lenzschau steht fast vollzählig auf dem Parkplatz der RS I. Die letzten Koffer werden verstaut und die letzten Sitzplätze belegt. Nach mehr oder weniger ausführlichen Verabschiedungen fährt der Bus los. „England wir kommen!“, rufen einige voller Übereifer schon am Anfang unserer circa 13-stündigen Reise.
 

Ein anstrengender Tag


In der Nacht der Hinfahrt ließen sich die meisten Schüler die Müdigkeit nicht anmerkten und hielten mit Partygesängen ihre müderen Kameraden auf Trap. Während der Busfahrt machten es sich einige Schüler zum Trendsport zu raten, in welchem Land wir sind oder woher andere Autofahrer kamen. Endlich in Frankreich angekommen wurde die Wartezeit auf die Fähre von vielen zum Schlafen genutzt. Auf dem Schiff angekommen verliefen sich die ersten binnen Sekunden und trafen sich meist an irgendwelchen Spielautomaten wieder. Nach circa einer Stunde waren die weißen Klippen von Dover zu sehen und wurden zum beliebten Fotoobjekt. Nach einer Weile Busfahren kamen wir endlich auf dem Universitätsgelände der „Universeti of Kent“ an. Da wir die Häuser leider noch nicht beziehen konnten, machten die übermüdeten Schüler noch einen mehrstündigen Stadtbummel, konnten für kurze Zeit in die Häuser und brachen wieder gen Stadt zu einer Stadtbesichtigungstour auf. Währenddessen sahen wir das berühmteste Gebäude der Stadt: die Kathedrale, die vom Erzbischof von Canterbury erbaut wurde. Die anschließende Zeit wurde entweder genutzt, um „MC Donalds“ zu suchen, shoppen zu gehen oder sich auf dem Gelände der Universität zu verlaufen. Um 10 Uhr ging dann in einigen Häusern schon das Licht aus.

Dienstag hieß es früh aufstehen, denn es stand ein Tag in London auf dem Plan. Jeder nahm sein gesamtes Geld mit, denn wir besuchten auch den größten Flohmarkt Londons. Doch unser erster Eindruck von London war nicht so, wie man es nicht vorstellt: Überall lag Müll herum und wir entdeckten an jedem zweiten Gebäude Kameras. „Da ist Nordenham ja sogar schöner“, meinten einige. Diese Meinung hielt maximal an, bis wir in die Innenstadt kamen. Jedes Gebäude, das historisch oder sonst irgendwie herausstach, wurde fotografiert. Auf dem Weg in die Fußgängerzone kamen wir an Gebäuden wie dem „London Eye“, dem „Big Ben“ oder dem „Westminster Abbey“ vorbei. An unsrem späteren Treffpunkt angekommen meinte Herr Lenzschau, würden wir unsere Gruppe verlieren, seien wir verloren. Wir hatten von da an circa zwei bis drei Stunden Zeit zur freien Gestaltung, die wir entweder in Läden oder bei MC Donalds verbracht haben. Das englische Essen schmeckt sehr speziell und schmeckt von daher auch nicht jedem. Von dem Klischee, dass England sehr teuer sei, merkten wir in London im Bezug auf z.B. Schuhe eher weniger, dafür bei Nahrungsmitteln umso mehr.
 

„How much is it?“


Nachdem sich alle wieder beim Treffpunkt eingefunden hatten, gingen wir zum Bus zurück und fuhren zum „Camden Locked Market“, dem bereits oben angesprochenen Flohmarkt. Als wir den Bus verließen, dachten sich einige Schüler, dass der ja nicht gerade groß sei. Diese Meinung war jedoch grundlegend falsch. Man würde Tage brauchen, um alles zu sehen. In der Schule übten wir mit Herrn Lenzschau bereits auf Englisch das Herunterhandeln von Preisen. So wurden Damentaschen beispielsweise von 40 Pfund auf 25 heruntergehandelt oder Gürtel von 25 auf 15. Unsere vier Stunden vergingen leider viel zu schnell. Nach diesem Tag hatten die meisten gerade noch genug Geld zum Einkaufen übrig. Die am meisten gestellte Frage des Tages war mit Sicherheit: „How much is it?“ auf Deutsch: „Wie viel kostet das?“ Es entwickelte sich ein regelrechter Sport, Dinge die andere bereits haben, noch billiger zu bekommen. Der Rest des Tages stand zu freien Gestaltung zur Verfügung.
                                                       
Für unseren dritten Tag in England war ein Besuch in einem richtigen englischen Schloss angedacht.
Das „Walmer Castle“ war unser Ziel. Von außen machte das Schloss schon einmal einen guten Eindruck. Mit Kanonen, einem tiefen Graben und hohen Burgmauern stand es vor uns. Im Schloss erzählte uns ein kleiner Apparat alles Wissenswertes. Die übermittelten Infos waren glücklicherweise auf Deutsch. Die einzelnen Räume des Schlosses waren mit Nummern versehen, welche sich ebenfalls auf dem Apparat wiederfanden. Tippte man diese Nummern ein, erzählten einen Stimmen die Geschichte des Raumes. Der Rundgang stieß auf sehr geteilte Meinungen: Die Schüler waren gelangweilt, weil es ihrer Meinung nach nicht interessant war, warum welcher Sessel der Lieblingssessel war.
Das Beste am Rundgang war der hauseigene Garten. Das empfanden die Lehrkräfte ebenfalls so, die die sonstige Meinung der Schüler über diesen Rundgang nicht teilten. Die angedachte Stadtbesichtigung wurde aufgrund der Motivation der Schüler zu einem Einkaufsbummel geändert.
„Schließlich sieht man dabei ja auch die Stadt“, so einige Schüler. Als wir wieder auf dem Unigelände waren, starteten die Schüler eine Wasserschlacht, in der die Lehrkräfte unfreiwillig mit eingebunden wurden. Diese Schlacht zog sich bis zur Dämmerung hin und wurde durch ein Machtwort der Lehrer beendet. Die nassen Klamotten wurden aus dem Fenster gehängt und die Schüler ließen den Tag individuell ausklingen.
 

                                               
Am Donnerstag war Hektik angesagt, denn die Häuser mussten bis um 10 Uhr geräumt sein. Die Schüler verließen die Häuser so, wie sie sie vorgefunden hatten. Unser Bus durfte vom Gesetz her erst gegen Nachmittag wieder fahren, so wurde die restlich Zeit genutzt, für einen letzten Stadtbummel oder um in den Hinterhöfen zu grillen. Die Lehrkräfte meinten außerdem, dass es eine sehr schöne Klassenfahrt war, da es keine schwerwiegenden Probleme gab, wir uns an alle Zeitabsprachen gehalten hatten und wir niemanden irgendwo vergessen hatten. Diese Klassenfahrt brachte zugleich einen besonderen Lerneffekt, da die Schüler gezwungen waren, sich mit ihren Englischkenntnissen zurechtzufinden, sich durchzufragen und zu verhandeln. Diese Klassenfahrt wird allen Beteiligten sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

|Text: Timo Köhler, Kl. 10b
Webbearbeitung: Sebastian Kuhlmann