Obamas Wahlsieg: ein Tag für die Geschichtsbücher

USA-Korrespondent André Bruns über die Präsidentenwahlen in Amerika

Am 4. November 2008 wählten die Vereinigten Staaten von Amerika ihren neuen Präsidenten. Auch in Deutschland wurde der Wahlkampf um das Amt des mächtigsten Mannes der Welt mit Spannung verfolgt. Eindeutiger Sieger: Barack Obama. Für "Aber Hallo" beobachtete André Bruns, Austauschschüler des Rotary Clubs, das Geschehen rund um die Wahl.

 

ABER HALLO: : André, du hast den US-Präsidentschafts-Wahlkampf miterlebt und mit deiner Gastfamilie zusammen für Obama sympathisiert. Wie habt ihr den Wahltag und den Wahlabend erlebt?

 

André: Es war wie ein ganz normaler Tag wie jeder andere auch. Nur dass dieser Tag vielleicht in die Geschichte der USA eingeht. Ich bin morgens ganz normal zur Schule gegangen und dort liefen schon die Fernseher mit den Nachrichten. Nach der Schule bin ich mit meiner Gastmutter zur Wahlurne gefahren. Sie musste ihre Stimme per Computer abgeben, was nicht jeder gerne gemacht hat. Die älteren Menschen haben sich beschwert und wollten einfach nur ihren „Wahlzettel“, um das Kreuz zu machen.

 


"Thank You": Auf seiner Homepage bedankt sich Barack Obama bei seinen Wählern.

 

Nach der Wahl ging es dann nach Hause, Hausaufgaben machen, TV gucken, alles zusammen. Und am Abend um 20 Uhr saßen wir alle zusammen im Wohnzimmer, um das größte Ereignis der USA zu verfolgen. Um 22 Uhr (5 Uhr deutscher Zeit) stand fest, wer US-Präsident geworden ist: Barack Obama! Um 23 Uhr (amerikanische Zeit) trat er vor die TV Kameras und vor die rund 250.000 Menschen in Chicago. Es war ein interessanter Tag für mich.

 

ABER HALLO: Wie ist die Gefühlslage des Amerikas nach der Wahl zu beschreiben?

 

André: Nach der Wahl ist es wie vor der Wahl. Die Stimmung vor der Wahl war eigentlich recht entspannt. Aber am Dienstag hat man gemerkt, dass dies der Tag ist, wo die USA einen großen Regierungswechsel bekommt. Überall, wo man hinschaute, liefen die Fernseher mit CNN oder anderen großen Fernsehsendern. Auch in der Schule war eine Anspannung zu merken, denn die Smalltalks bestanden meist aus Fragen, wer das Rennen machen wird und wer US-Präsident wird. Die Lehrer redeten nur noch über die Election (Wahl).

 

Am Abend haben die ersten McCain-Anhänger Zusammenbrüche erlitten, als sie erfahren haben, dass Obama in Kalifornien die meisten Stimmen und damit die Wahlmänner bekommen hat. Zu dem Zeitpunkt haben immer mehr Fans McCains die Präsidentenfeier in Arizona verlassen und bei Obama in Chicago dagegen wurden es immer mehr. Erst 30.000, dann 70.000 und zum Schluss haben Hochrechnungen ergeben, dass rund 250.000 Menschen an seiner Feier teilgenommen haben. Sogar Jessy Jackson, bekannter Bürgerrechtler der USA, liefen die Tränen vor Freude.

 


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ABER HALLO: Was erhoffen sich die Menschen von dem „Change“ des Obama?

 

André: Es ist eine Menge, was Obama an den USA ändern sollte oder besser muss. Es sind Sachen wie die Gleichstellung zwischen Weißen und Schwarzen oder die allgemeine Krankenversicherung. Nicht jeder US Bürger hat eine Krankenversicherung. Aber das größte Erbe, was George W. Bush hinterlassen hat, ist die größte Finanzkrise der USA, der Irak-Krieg und der Hass der Al-Qaida. Es wird ein langer und schwieriger Weg, dem Obama sich ab dem 20. Januar stellt.

 


Obama nutzte das Internet für seinen Wahlkampf
wie kein anderer Politiker bislang und setzte damit neue Maßstäbe.

 

ABER HALLO: Gibt es rassistische Menschen, die sich gegen einen schwarzen Präsidenten aussprechen – auch jetzt nach der Wahl? Und wie geht der Staat mit ihnen um?

 

André: Obama wird hier gefeiert und die USA und es ist ein großes geschichtliches Ereignis. Zum ersten Mal hat die USA einen schwarzen Präsidenten gewählt. Obama wird ab dem 20. Januar seinen Job als Präsident im Weißen Haus ausüben.


Wähle Obama - und spende!
 


Da war man doch überrascht: Eigentlich wollte der unschuldige Internetnutzer nur ein paar Informationen über Barack Obama einholen für den Politik-Unterricht und plötzlich befand man sich auf einer Spendenseite: Bitte spenden Sie für Barack Obama! Praktischerweise konnte man gleich seine gewünschte Summe anklicken, einen Klick weiter – und die Spende wäre perfekt gewesen!

Etwas verdutzt verfolgt der Nutzer seine Interspur zurück zur Startseite des Obama: Sie fordert zum Eintritt in die Bewegung auf – und Eintritt kostet wohl Geld?! Jedenfalls dauert es und erfordert Mühe, bis man unter dem großen Bild mit dem Link zum Spendenautomaten den kleinen Link findet, der auf die Seite von Obama führt. Und hier gibt’s dann alles, was Politikinteressierte suchen – und noch mehr darüber hinaus. Für eifrige Spender – und auch für Nichtspender – gibt es allerhand Werbematerial herunterzuladen. Und wer dann noch Geld ausgeben möchte, kann im „Store“ gleich noch einmal seine Kreditkarte zücken – für T-Shirts, Caps, Poster, Pins und mehr. Da braucht man eine Menge Kleingeld – Change: Yes, we can!                                               (T.L.)
 

 

Und ja: Es gibt rassistische Menschen auch hier“. Vor einigen Wochen haben zwei Neo-Nazis einen Anschlag auf den Kandidaten Obama und auf weitere „schwarze“ - farbige - Bürger geplant. Und am Dienstagabend stellte sich Obama im Schutz von Panzerglas vor die Kameras der Nation. Die Angst vor einem Anschlag auf Obama oder den USA hat sich heute noch nicht gelegt. Der Safety Service rechnet mit Anschlagsversuchen auf Obama und anderen Menschen aus Amerika. Auch wenn das Land als sicher gilt: Nach dem 11. September besteht immer und überall eine Gefahr.

 

Wahlpartys bei Freunden zu Hause

 

ABER HALLO: Haben deine Mitschüler und amerikanischen Freunde den Wahlkampf verfolgt? Was fanden sie daran spannend?

 

André: Ich selber habe den Wahlkampf mit Interesse verfolgt. Denn nicht jeder Austauschschüler hat die Chance, das große amerikanische, historische Ereignis der USA mitzuerleben. Die amerikanische Nation hat zum ersten Mal einen „schwarzen“ Präsidenten ins Weiße Haus gewählt. Und am Wahltag (Dienstag, 4. November 2008) hatte fast jeder irgendein Medium dabei, womit er aktuelle Ergebnisse abfragen kann. Vom Black Berry über den Computer, ein Radio bis hin zum Fernseher: Jeder war auf dem aktuellen Stand. Meine Freunde hier haben sich alle bei einem zu Hause getroffen, um zusammen die letzten Minuten der Wahl zu verfolgen. Ich habe noch am Wahlabend kurz mit einer Freundin geschrieben, die aus Nordenham kommt und seit einigen Jahren in den USA studiert. Maren hatte mir schon im Vorfeld erzählt, dass es ein tolles Ereignis für mich werde, diese Wahl mitzuerleben. Und am Dienstagabend war auch sie auf einer Party, um mit Freunden Barack Obama zu unterstützen und zu feiern.

 

Die Frage, die sich die Amerikaner am häufigsten gestellt haben, hieß: „Entscheidet die Hautfarbe das Ergebnis der Wahl?“ Am Dienstag hatte CNN auf einem Bild mit Obama und McCain die Hautfarbe getauscht, um zu sehen, ob es einen Unterschied macht. Dabei ist es doch ganz egal, welche Hautfarbe der Präsident hat. Jedes ist gleich.

 

ABER HALLO: Wenn du zurück nach Deutschland kommst, wirst du deutsche Politik anders sehen als bisher?

 

André: Ich sehe die Politik noch genau so wie zum Zeitpunkt meiner Abreise aus Deutschland. Aber was ich sagen kann: Die USA hat ein ganz anderes Wahlsystem und auch einen komplett anderen Politikstil. Die Election hier in den USA wird richtig groß aufgezogen.

 

Mehr für Kinder und Frieden?

 

ABER HALLO:

Wenn du Obama treffen und ihm eine Frage stellen könntest: welche wäre es?

 

André: Obama ist ein großer Mann, der so viel vorhat und so viel in den USA ändern will. Er sagte nur, es werde ein anderes Amerika geben. Ich würde ihn fragen: „Werden Sie sich noch mehr in der Welt und zusammen mit Europa für Kinderhilfe und Frieden einsetzen?“

 

ABER HALLO: Vielen Dank für das Gespräch.