
Das Erfolgsformat „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) von RTL geht in die sechste Runde. Millionen Zuschauer fieberten bereits mit den Kandidaten mit – oder lachten sich über menschliche Tragödien kaputt. Die Fernsehsendung ist umstritten. Jetzt hat ein Schüler unserer Schule den Schritt vor die Kameras gewagt: Maurice Böschen, Kl. 10a, bewarb sich für das Casting und wurde für den 22. Oktober 2008 nach Hamburg eingeladen – mit 5.000 anderen jungen Menschen. Für ABER HALLO berichtet er von seinem Besuch bei Dieter Bohlen – den er dann doch gar nicht gesehen hat. ABER HALLO: Maurice, du hast dich beworben, Superstar von Deutschland zu werden. Warum? Maurice: Ich wollte einigen Leuten einfach mal zeigen, dass ich nicht so ein Weichei bin wie manche von mir denken, sondern dass ich durchaus auch den Mut habe, mich da hinzustellen und einfach in eine Kamera zu singen, mit der Gewissheit, dass dies vielleicht Millionen sehen könnten... Okay, und wegen Geld, da ich mit einigen aus der Klasse und einigen aus meiner Ex-Klasse gewettet habe... ABER HALLO: Ist ein Superstar also immer gleich ein Kameraheld und Macho? Maurice: Das nun wiederum nicht. Ich habe da wirklich einige Leute gesehen, die verdammt gut singen konnten. Da habe ich Gänsehaut bekommen, so hammergeil war das! Aber diese Leute waren keine Machos, sie hielten sich eher zurück. Man muss lernen, sich gut zu verkaufen. Nicht jeder kann vor der Kamera performen. Einige vergessen den Text vor Nervenflattern.
ABER HALLO: Hattest Du auch Nervenflattern? Maurice: Ooooooh ja... Und zwar nicht gerade wenig. Das war schon extrem. Ich werde mit sieben anderen Kandidaten in den dritten Stock zur Jury gebracht. Bis dahin war alles einigermaßen locker. Doch dann, als wir da saßen und warteten, reingelassen zu werden, da hab ich so heftige Magenkrämpfe bekommen! Und dann hört man da im Flur auch noch die Leute, die gerade vor der Jury singen. Da hatte ich auch Bammel vor, dass man mich dann hört und alle denken "Was'n das für ein Depp!" Als ich fertig war, musste ich dann mal "für kleine Superstars" und hatte 'nen so heftigen Druck von der Aufregung, dass ich Nasenbluten bekam. ABER HALLO: Und wie war es vor der Jury? Maurice: Ich kam rein und das erste, was die gefragt haben, war: „Welche Staatsform findest du am besten?" Da dachte ich: „Sind wir hier jetzt bei einer Quizshow gelandet? Noch nicht einmal vorgestellt und schon so eine Frage..." Naja, spontan hab ich einfach Demokratie geantwortet und die Jury war überrascht, weil ich einer der wenigen war, der diese Frage richtig beantworten konnte. Dann sollte ich mich vorstellen und dann durfte ich singen. Beim Singen hatte ich immer noch Nervenflattern wie verrückt! Ist schon komisch, vor drei Leuten zu stehen und zu singen und dabei läuft ne Kamera. Nachdem ich's dann hinter mir hatte, wurde mir gesagt, dass ich eine schöne und gefühlvolle Stimme hätte, die Jury sich aber nicht sicher sei, ob ich mit meinen 16 Jahren dem großen Druck standhalten könne. Dann durfte ich gehen und den nächsten reinschicken. Dieter Bohlen glänzt durch AbwesenheitABER HALLO: Dieter Bohlen hat damit ja noch ein gnädiges Urteil gefällt, oder? Maurice: Dieter hatte mit der ganzen Sache nichts am Hut. Das war die große Farce von RTL. Jedenfalls empfanden wir dies so. Ich war lediglich beim Vor-Casting vor einer Vorjury, bestehend aus einem Produktionsteam von RTL. Dieter und Co waren nicht einmal anwesend. Das Jury-Casting findet jetzt am 25. November statt.
ABER HALLO: Bist du enttäuscht vom Ausgang des Castings – hattest Du Dir eine Chance auf den Recall ausgerechnet? Maurice: Enttäuscht bin ich keineswegs von meiner Leistung. Von dem Ausgang des Castings aber allemal. Während wir in unserem Aufenthaltsraum von Team Blau und Gelb waren, haben einige Talente a Kapella bzw. mit Instrument gesungen und das war so geil und hat so dermaßen Spaß gemacht mit denen zu singen. Dass diese Mega-Talente nicht weitergekommen sind, das finde ich echt erschreckend. Nicht nur ich war schockiert bei der Verkündung derjenigen, die weitergekommen sind. Da rufen die so einen Dennis auf, den wir „Denise“ nannten. Eine Transe, die nicht singen kann, kommt weiter und darf vor der Jury singen, und die Talente nicht. Naja, so eine Transe im schrillen Pink bringt verdammt gute Einschaltquoten. Daraufhin haben wir gesagt, dass 80% Idioten gesucht werden und nur 20% Talente. Eine Chance auf den Recall hab ich mir weniger ausgerechnet. Mein Ziel war das Überstehen der Vorjury, allerdings wusste ich da auch noch nicht, dass nur zwölf Leute von 5000 weiterkommen. "Zu 80 Prozent nur Idioten gesucht"ABER HALLO: Hattest du das Gefühl, dass RTL dich - und die anderen Tausenden jungen Menschen - als Spielball zum Geldgewinn benutzt? Maurice: Da bin ich ganz ehrlich: teilweise ja. Das kam einen in manchen Situationen echt so rüber. Bestes Beispiel ist das Weiterkommen von schrägen Vögeln, um die Einschaltquoten deutlich zu erhöhen. Das machte auch einer der letzten Sätze der RTL-Caster deutlich: „Die Teilnehmer und deren Begleitung ziehen beim Jury-Casting bitte exakt dasselbe an wie heute beim Vor-Casting!“ Da wollte wohl jemand sicher gehen, dass die Transe auch genau in dem Outfit wiederkommt zu Dieter und Co, weil ja erst diese Auftritte im TV ab Januar dann gezeigt werden. ABER HALLO: Noch einmal zurück zu dir: Was hast du gesungen und wie hast du dich vorbereitet? Maurice: Gesungen habe ich „Father and Son“ in der Version von Ronan Keating. Ein Kumpel sagte mir, dass ich das mit meiner ohnehin eher tiefen Stimme sehr gut kann und dass ich dort meine Gefühle gut zum Ausdruck bringen kann. Vorbereitet habe ich mich, indem ich den Songtext bis zum Erbrechen auswendig gelernt habe und immer, wenn meine Eltern nicht im Hause waren, habe ich dann laut gesungen - manchmal a Kapella und manchmal in Begleitung des Songs. ABER HALLO: Bestand der Besuch in Hamburg nur aus einem kurzen Vorsingen? Maurice: Nein. Als wir ankamen, waren noch nicht ganz so viele da. Geschätzte 300... Wir stellten uns in der Warteschlange hinten an und standen dort eine ganze Stunde in der Kälte, bis einer von RTL kam und uns sagte, dass wir jetzt erstmal ein Video an der Alster drehen (das spätere Intro für das DSDS-Casting in Hamburg). Dort waren wir dann eine ganze Stunde. Das war aber eigentlich ganz witzig. Wir sollten immer ausflippen. Danach dann noch einmal drei Stunden draußen in einer Schlange stehen, bis wir ins Hotel rein konnten und uns anmelden konnten. Dann habe ich eine halbe Stunde im Aufenthaltsraum gewartet und wurde dann mit sieben anderen zum Vorsingen aufgerufen. Danach dann noch einmal eine Stunde gewartet, dabei mit den anderen viele Lieder gesungen, und dann wurde um kurz nach 18 Uhr die Entscheidung verkündet, wer weitergekommen ist. Danach durften wir dann wieder nach Hause fahren. ABER HALLO: Wie war die Stimmung unter den Kandidaten? Gönnte man sich untereinander Erfolg oder waren überwiegend Egotypen da? Maurice: Egotypen gab es da absolut nicht! Jeder wünschte dem anderen Glück. Man gönnte also wirklich jedem den Erfolg. Als ich aufgerufen wurde zum Vorsingen, kam von allen Seiten „Viel Glück“. Das ermutigt einen natürlich schon sehr. Viele Erfahrungen gewonnen - und neue FreundeABER HALLO: Gab es für die möglichen Superstars von morgen auch ein gutes Catering von RTL? Maurice: Jeder Teilnehmer hat eine Wertmarke bekommen, von der er sich dann eine beliebige Speise bzw. Getränk aussuchen konnte. Die Begleiter mussten zahlen - genauso wie die Kandidaten nach dem Verzehr der Wertmarke. ABER HALLO: Du bist vor dem Besuch des Castings von vielen Mitschülern belächelt worden. Welche Erfahrung nimmst du jetzt aus dem Casting mit, die sie nicht machen konnten? Maurice: Belächelt… Ich habe auf jeden Fall viel an Erfahrung gewonnen. Ich habe gelernt, dass solche Shows nicht immer 100% fair sind, ich habe erfahren, wie es ist, vor einer Kamera zu stehen und dort auch vor einer Jury etwas zu performen. Und das Wichtigste: man nimmt neue Freunde aus so einem Casting mit! ABER HALLO: Wirst du die Fernsehsendung jetzt mit anderen Augen sehen? Maurice: Das bleibt ja nicht aus. Ich habe beschlossen, dort nächstes Jahr erneut mitzumachen - alleine wegen der Stimmung schon. „DSDS“ werden alle Kandidaten mit anderen Augen sehen – wir waren dabei und verstehen die Sendung jetzt besser, wie sie läuft und was deren Tricks sind. ...Neustart im nächsten JahrABER HALLO: Das heißt, du glaubst an den Traum, ein Superstar zu werden? Maurice: Nein. Ich weiß jetzt, dass es auf dieser Welt viel mehr talentiertere junge Menschen gibt, die diesen Titel mehr verdient haben als ich. Ich mache da nächstes Jahr nur mit, um diese Stimmung wieder aufgreifen zu können, mit den anderen in einer Gemeinschaft wieder zu singen und um neue Freundschaften knüpfen zu können. Nicht um ernsthaft weiter zu kommen... ABER HALLO: Vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß dann im kommenden Jahr.
|